DRAMAZONE - theatrale Gemeinschaft Bad Frankenhausen

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#023. DRAMAZONE

Theatrale Gemeinschaft Bad Frankenhausen

 

 

Gruppenprofil (Portrait, Inszenierungsverzeichnis, Presseschau) / Vita

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Wir sind unsere Biografien.
Ausgangspunkt einer jeden Dramazone-Performance sind die Biografien der PerformerInnen; ohne die spezifischen Identitäten der Mitglieder wäre ein Dramazone-Projekt gar nicht denkbar. Es wird da von Sehnsüchten und Wünschen erzählt, von Ängsten und Sorgen berichtet oder es werden Geheimnisse und Neurosen gebeichtet. Dabei spielen die PerformerInnen keine dramatischen Rollen, sondern präsentieren sich in Spiel-Positionen, zeigen Facetten der eigenen Identität, strapazieren einiges über, verschweigen anderes, verlagern die Betonung und zeigen sich so, wie sie sein wollen oder wie sie niemals sein möchten.

 

Wir wollen ein Thema.
Die Biografien der Mitglieder sind stets gegeben und müssen daher durch neue Fragen herausgefordert werden. Dramazone sucht deshalb unentwegt nach Themen, in die diese Biografien hineinprojiziert werden können und die es ermöglichen, in der eigenen Identität zu kramen. Was ist unsere Heimat? Wovor ängstigen wir uns im anstehenden Berufsalltag? Wo finden wir das Paradies? Wie läuft bei uns Persönlichkeitsbildung ab? Wie erfahre ich meine Niederlagen? Diese und ähnliche thematische Fragen stellen sich die Perfor¬merInnen und befragen danach ihr Selbst.

 

Wir erinnern uns.
Diese biografische Befragung und Selbst-Erkundung ist ein Suchen in den Lebenslinien der eigenen Geschichte (und in Teilen auch in der der jeweiligen Zeit- und Kulturgeschichte). Jeder Probenprozess ist also immer auch ein Erinnerungsprozess. Nicht selten kommen Objekte auf die Bühne, die aus dem Fundus der PerformerInnen stammen und nicht gebastelte Requisite sind. Ähnlich einem Setzkasten oder einer Kunstkammer sind diese Objekte betrachtbar, ermöglichen den Blick in sonst verschlossene Intimsphären eines Fremden. Dazu berichten die Mitglieder von Dramazone von den Geschichten hinter diesen Objekten. Erinnerungen werden so weit gefasst, dass sie beispielhaft sein können für die speziellen Erinnerungen der ZuschauerInnen. Auch das Publikum soll sich erinnern und somit zusammen ein Aufführungs-Gedächtnis produziert werden. Oder haben Sie vergessen, wie wir eine gemeinsame Heimat aufgebaut haben? Oder wie Sie Sascha mit Schaumstoffbällen beworfen haben? Oder wie wir diesen Angstfänger gebastelt haben? Oder wie Sie mit fremden Menschen Ihre Liebeserlebnisse ausgetauscht haben?

 

Wir interessieren uns für Sie.
Wenn Sie sich in Ruhe hinsetzen wollen, um sich dann zurückgelehnt einem Kunstgenuss ergeben zu wollen, dann sind Sie bei Dramazone an der falschen Adresse. Die ZuschauerInnen sind Teil der Performances und ihnen wird daher auch eine eigene Stimme gegeben. Entweder hat das Publikum die Qual der Wahl, jemanden zum Stadt-Maskottchen zu wählen oder bewegt sich durch ein fiktives Freilichtmuseum. Gerne wird das Publikum auch zum Essen oder Trinken eingeladen, um dadurch das besondere Gemeinschaftserlebnis der Performances zu betonen: Kuchen, Weißwein, Sekt, Schnäpse, wieder Kuchen, Süßigkeiten, Cola, Tee, 5-Minuten-Terrine, wieder Kuchen, Kaffee und Rotwein.

 

Wir glauben, dass wir ein wenig naiv sind.
Das thüringische Bad Frankenhausen als gewählter Produktionssitz ist für Dramazone der naive Glaube, auch im ländlichen Kontext zeitgenössisches Theater machen zu können. Warum sollen theatrale Experimente immer nur in den großen Städten stattfinden? Daher produzieren die Mitglieder von Dramazone in dieser Kleinstadt und zeigen hier die Performances. Die so genannte „Provinz“ tritt dabei in einen Dialog mit den Großstädten und kulturellen Zentren sowie umgekehrt. Dieser Dialog ist dabei produktiver Teil der künstlerischen Projekte des Theaterkollektivs. Ziel ist die Konfrontation mit unterschiedlichen Zuschauergemeinschaften sowie ihren jeweiligen Herangehensweisen an Theater und eine damit einhergehende Befragung der ästhetischen Mittel. Das Kollektiv Dramazone will Theater nicht nur für die eigene „Szene“ spielen, sondern auch auf Menschen wirken, die sonst kaum mit Theater konfrontiert werden. Ziel ist dabei jedoch kein unterhaltsames Volkstheater sondern ein offenes und zugleich anspruchsvolles experimentelles Theater.
Auch die Aufführungen sind durch eine gewisse Naivität geprägt – ganz im Sinne eines naiven Optimismus: Dramazone hofft, Begegnungen von Fremden mit Fremden zu ermöglichen und dass diese als besondere Erlebnisse erinnert werden. Und dass man endlich angstfrei leben kann – mit einer perfekten Identität, in einer gemeinsamen Heimat, mit einem starken Idol und einem kollektiven Gedächtnis spezieller und intimer Erinnerungen.